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    Mit Grenzen leben

    Über die Ohnmacht der Seelsorgenden

    Von Annette Bassler

    © GettyImages / grummanaa5

    Wir sind wie irdene Gefäße, hat Paulus einmal geschrieben (2. Korinther 4,7). Höchst zerbrechlich, oft angeschlagen. Mit einem Sprung in der Schüssel, sozusagen. Aber gerade durch diesen Sprung, durch diese Macke hindurch kann Gottes Liebe besonders hell scheinen. Was das heißt, habe ich durch sie neu gelernt:

    Sie ist jetzt 18, und ich kenne sie seit mehr als einem Jahr. Das heißt, ich kenne nur ihren Vornamen und ihre E-Mail-Adresse. Irgendwann mal hat sie mir geschrieben. Dass sie eigentlich nicht mehr leben will, aber Angst vor dem Sterben hat. Ihren Hilferuf hat sie in Gedichte gepackt. Schaurig schöne Gedichte. Irgendwann erzählte sie mir die Geschichte hinter den Gedichten:

    Aber sie will nicht auch noch ihren Vater verlieren

    Nachdem ihre Mutter gestorben war, ist ihr Vater durchgedreht. Hat ihr Gewalt angetan. Da war sie grade mal 15. Seitdem ist sie neben der Rolle. Hat die Schule abgebrochen, verletzt sich selber, wenn der Schmerz zu groß wird. Sie ist intelligent, sie weiß genau was los ist, dass sie professionelle Hilfe braucht. Aber sie will nicht auch noch ihren Vater verlieren. Außerdem traut sie niemandem. Also schreibt sie Gedichte. Und schickt mich mit ihren E-Mails und den Gesprächen am Telefon auf eine Achterbahn der Gefühle.

    Zwingt mich, tatenlos, scheinbar tatenlos, zuzusehen, wie sie sich quält und durchs Leben schlägt. Wie soll ich umgehen mit dieser Ohnmacht? Was tun, wenn ich nichts tun darf? Mir fällt das schwer. Und doch: Nicht einmal Jesus hat einen Kranken gegen dessen Willen geheilt. Immer hat er vorher gefragt. Immer hat er die Verantwortung des anderen für sein Leben respektiert.

    Sie ist nicht allein mit ihrer Macke

    Ich habe versucht, mit der Grenze zu leben, die das Mädchen mir gesetzt hat. Und habe gedacht: Und vielleicht ist es genau das, was sie braucht. Wenn sie mir Gedichte schreibt. Dass ich einfach mal so ohnmächtig bin wie sie. Dass ich auch so ein zerbrechliches Gefäß bin wie sie, mit Rissen und Macken. Vielleicht ist es genau das, was ihr hilft zu spüren, dass sie nicht allein ist mit ihrer Macke, mit ihren Verletzungen. Vielleicht leuchtet da etwas von der Liebe Gottes für sie auf.

    Mich tröstet dabei der Gedanke von Paulus: Gerade durch unsere Risse und Macken hindurch kann Gottes Liebe besonders hell scheinen.

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